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Es gibt viel Schatten in der sonnenreichen Gemeinde

 

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Es gibt viel Schatten in der sonnenreichen Gemeinde
Peter Groß (PeG) 16. August 2018

Die Aussage des Bürgermeisters Edgar Lamm im Südkurier vom 21. Juli 2018 war schon eine Provokation. Anlässlich der Inbetriebnahme des Seniorenwohnpark im Ortsteil Mühlhofen durch das Soziale Netzwerk Schauinsland erklärte Lamm: " Das Thema Pflege und Betreuung im Alter wird immer wichtiger" und er erläuterte, dass die Gemeinde mittlerweile über 8.400 Einwohner verfüge, von denen 2.000 Bürger inzwischen über 65 Jahre alt sind. Dazu zitiert der Südkurier Lamm: "Das sind fast 25%". Pflegeheime und betreutes Wohnen seien aus diesem Grund in jedem der drei Ortsteile der Gemeinde erforderlich. "Der Bedarf steigt rapide an".

Hier ist jetzt meine allzeit gespitzte Feder herausgefordert. Zunächst ist das Geschäftsmodell schnell entlarvt. Man gebe das gut gepflegte Gartengrundstück im alten Ortskern, vermutlich unter Wert an einen Bauträger. Erwerbe zu einem überhöhten Preis eine 2-Raumwohnung für knapp 250.000 Euro oder eine 3-Raumwohnung für 450.000 Euro, die bei Bedarf mit Pflegedienstleistungen im Pflegeheim verrechnet werden kann. Das heizt nicht nur die Bauspekulation an.

Es ist natürlich reizvoll auf dem Grund der Alten Schule für betuchte Kunden eine solche Einrichtung mit dem Charme eines Bürokomplexes oder einer Fabrikhalle zu errichten und zum Zweck der besseren Sicht auf die Umgebung keine Begrünung des Wohnumfeldes einzuplanen. Das könnte auch verhindern, dass ein Bewohner womöglich unkontrolliert davonläuft und durch die Polizei zurück gebracht werden muss, wie jene zwei Senioren die kürzlich nachts das Wacken - Festival in Schleswig-Holstein besuchten. Ich meine, auch im Bodenseekreis gibt es zahllose Open - Air Veranstaltungen, die, so ist zu hören, bisher von Senioren nur in Begleitung ihrer erwachsenen Kinder oder großen Enkel besucht werden.

Die Vermutung liegt nahe, dass man auf höchst effektive Weise Menschen aus ihrem vertrauten Wohnumfeld in eine betreute Wohnanlage umsiedeln will. Wer im Voraus wissen will, wie sich der alte Ortskern in wenigen Jahren verändert, dem empfehle ich einen längeren Spaziergang durch die Bergstraße und den Waldweg. Jede zweite Wohnung scheint es, ist zur Freude von Airbnb eine Ferien- oder Zweitwohnung. Viel zu oft werden dafür keine Abgaben an die Gemeinde bezahlt.

Die Personalausstattung der Tourist Information ( Fremdenverkehrswerbung ) ist völlig überzogen. Die Gemeinde braucht dringend qualifiziertes Personal beim Ortsbaumeister solange es dem Bürgermeister, wie in allen Ortsteilen sichtbar, an Sachverstand oder Entschlussfreude mangelt. Es fehlt die Kraft den baulichen Wildwuchs zu beenden, es fehlt der Mut zum Ja für eine zukunftsweisende Klima- und Grüngestaltung, es fehlt der Wille für notwendige Reparaturen (Landesstraße 201, Lärmminderungsmaßnahmen an der B31). Es fehlt an Ideen und Konzepten für alters- und generationengerechte Quartiersideen, wie dem Anschluss des Ortsteils Unteruhldingen oder auch Mühlhofen an die Einkaufsmärkte am Bahnhof, dem Mut zur Umgestaltung der Alten Schule zum kleinen Nahversorgungszentrum, auch als Treff- und Begegnungsstätte für Ober- und Unteruhldinger Einwohner.
Im Gemeinderat fehlt es vielleicht an intellektuellen Fähigkeiten, an Empathie oder am notwendigen Interesse für die Berücksichtigung von Einwohnerwünschen. Ohne den berechtigten Widerstand des Gastgeber Uhldingen – Mühlhofen e.V. wäre die Gemeinde mit Kosten von 332.000 Euro jährlich belastet. Geld, das in der Kasse der TI fehlen würde, weil es an die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) für die Echt Bodensee Card bezahlt werden müsste. Die DBT hat 2017, im fünften Jahr ihres Bestehens, überdurchschnittlich hohe Verluste zu verzeichnen. Es hätten durchaus mehr Gemeinderäte sein können die dieser Kostenfalle die Zustimmung verweigert hätten, bevor das Vorhaben vor dem Verwaltungsgericht durch engagierte, vorausschauende Gastgeber gestoppt wurde.

Warum hohe Beträge für zweifelhafte Ausgaben der TI ausgegeben werden, statt für dringend notwendige Investitionen in den Ortsteilen, zu denen sicher auch die Instandsetzung der Uferpromenade gehört, das sollten die Gemeinderäte den Bürgern schon erklären. Die Planung weist zu wenig neue Bäume aus (Grund: die Wurzelbildung wäre eine Gefahr für Versorgungsschächte ?).

Die Ortsteile verlangen in Hitzeperioden nach Zufluchtsorten wie der Alten Schule, kleine Kneipp – Anlagen oder breit gestreute Angebote von Trinkwasserentnahmestellen. Nicht nur der Ortsteil Unteruhldingen wird sonst zum gesundheitlichen Risikogebiet für ältere, auch schwache Mitbürger und Kinder. Dass man übrigens dem "Naturstrand" aus Kostengründen keine DLRG – Rettungsstelle gestattet ist völlig verantwortungslos und würde in keiner ernstzunehmenden Urlaubsdestination klaglos hingenommen. Wer als Leuchtturm firmiert, 332.000 Übernachtungen als Erfolg nennt und 1 Million Tagesgäste begrüßt, der sollte auf eine lebensrettende Einrichtung nicht verzichten.

An über 30 Grad heißen Tagen steigt nach einer deutschlandweit durchgeführten Untersuchung die Zahl der Krankenhauseinlieferungen um fünf Prozent, die Sterberate um zehn. Wenn Bürgermeister Lamm den Ort zum sonnen reichsten der Republik zählt, wäre es durchaus zumutbar bei Allgemeinmedizinern vor Ort einmal nach dem Zulauf von Patienten, auch jüngeren, zu fragen, die mit Klima bedingten Schwindelgefühl und Kreislaufproblemen in die Praxen kommen. Im Anschluss wäre wichtig, erforderliche Maßnahmen umzusetzen.

Wer in Uferrenaturierung 275.000 Euro, Wasserspielplatz 407.000 Euro, Umgestaltung des Naturbadestrands 250.000 Euro investiert, dem sollte die Sicherheit der Gäste, die als Tagesgäste 30 Millionen Euro jährlich im Ort lassen (Hochrechnung aus der Tourismusstatistik: Umsatz von Tagesgästen pro Kopf, ca. 30 Euro am Tag) auch etwas Wert sein. Gerade dann wenn man immer von Mehrwert und Alleinstellungsmerkmalen der Destination Uhldingen Mühlhofen für Touristen spricht.

 

 

 

 








 


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