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Altes Schulhaus: Nur Widersprüche und keine Antworten

 

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Altes Schulhaus: Nur Widersprüche und keine Antworten.

Peter Groß (PeG) 20. Juli 2018

Wie ich kürzlich aus einem Leserbrief erfuhr, wird in dem Gebäudekomplex Alte Schule / Haus des Gastes nach wie vor gelehrt, unterrichtet und gelernt. Der Träger des gewerblichen Teils müsste der EWTC – European Association for Traditional Wu Tai Chi Chuan e.V. mit Sitz (des Vorstands) Venlo, Niederlande sein, dessen Trainingswart Herr G. vor Ort in Unteruhldingen das Wu Taichi Medical Zentrum Bodensee scheinbar als Privatier betreut. Seine vertretungsberechtigte Stellung bleibt dabei unbekannt, dürfte aus steuerrechtlichen und Haftungsgründen aber relevant sein. Es werden anscheinend so hohe Einnahmen erwirtschaftet, dass die, in diesem Fall teil gewerbliche Miete oder der Kaufpreis, der Immobilie gesichert ist. Das sollte durch eine Bankbürgschaft oder eine Hinterlegung des Kaufpreise dokumentiert sein.

Wenn jetzt Frau K. in einem Leserbrief des Südkurier anregt von einem Gönner statt von einem Investor zu sprechen, kann man vielleicht davon ausgehen, dass ein Mensch der sich gern Gönner nennen lässt, es als ehemaliger Schüler der Alten Schule zu einem beträchtlichen Vermögen gebracht hat. Das ist sympathisch, muss man doch von einem Grundstückspreis von knapp 2 Mio. Euro ausgehen, der nach dem Wunsch des Bürgermeisters in die Gemeindekasse fließen sollte. Nach einer Kostenschätzung vor 4 Jahren wären weitere 1,5 Mio. Euro für die Instandsetzung notwendig. Nach Angaben des Bürgermeisters wird vermutet, dass die Kosten in den letzten vier Jahren weiter gestiegen sind. Wie zu erfahren war, fehlt eine notwendige Barrierefreiheit, wie für öffentliche Gebäude gefordert. Sollte nach den Vorstellungen des Herrn G. die spätere Nutzung als Musikakademie geplant sein, wären dann nochmals höhere Beträge zu investieren.

Wie von Fachleuten zu hören war, ist ein so hoher Kapitalaufwand nach einer bereits durchgeführten Grundsanierung des Hauses wohl nicht einmal notwendig.

Schade nur, dass zunächst der Männergesangsverein Unteruhldingen 1921 e.V. entschädigungslos zum ersten Opfer dieser Scharade wurde. Man könnte es vielleicht auch als Vertreibung bezeichnen. Es scheint, schon hier sorgte der "Gönner aus der Gemeinde" und Planer einer Musikakademie im Schulterschluss mit Bürgermeister und Gemeinderäten gehörig für Misstöne. Den Musikfreunden folgte der Fotoclub Uhldingen e.V. , der allerdings im neuen Welterbebau keine Mietzahlungen leisten muss und nur anteilig Nebenkosten bezahlt.

Bei dem Gebäudeensemble geht es um mehrere hundert Quadratmeter Nutz- und Wohnflächen, die bei ordentlicher Bewirtschaftung hohe Nebenkosten bedingen (Niederschlagswasserabgabe, Schneebeseitigung, Grünanlagenpflege).

Der Mietpreis wurde von der Gemeindeverwaltung nicht genannt. Vermutlich sind es aufgrund der großen Fläche 100.000 Euro jährlich. Nimmt man die Miete der Tourist Info zum Vergleich (76 qm/ 24.000 Euro Jahresmiete ohne Nebenkosten) und rechnet eine ortsübliche Vergleichsmiete für Wohn- und Nebenräume dazu. Die Schätzung bezieht sich auf eine Jahresmiete für das gesamte Areal und schließt Nebenkosten und Umsatzsteuer für den gewerblichen genutzten Teil ein.

Da ich dem Bürgermeister durchaus Kosten gerechtes, verantwortungsbewusstes Handeln zutraue und auch meine, dass der Gemeinderat seine Pflicht zur Prüfung ernst nimmt, wage ich die Frage, aus welchem Grund diese Immobilie so dringend verkauft werden sollte, wenn doch ausreichend Mieteinkünfte in die Kasse fließen.

Immerhin spricht man nicht mehr von einem Verlustausgleich für den Welterbebau, der wird zukünftig vermutlich aus dem Gemeindehaushalt kommen und verzögert dringende Instandhaltungen im Ort. Straßeninstandsetzungen, Kanalisation. Nun soll aus dem Verkaufserlös der Alten Schule, sofern er realisiert wird, eine Aufwertung des Uferbereichs mit einem Kostenrahmen von 2 bis 3 Millionen folgen.

Nur sehe ich für den Uferbereich keine besondere Aufwertung, sondern eher den Wunsch nach Selbstverwirklichung eines, nach meiner Auffassung, nicht wirklich kreativen Planungsbüros und Folgekosten die nicht mehr beherrschbar sind.

Die Ufergestaltung sollte das historische Erbe des alten Fischerortes besonders berücksichtigen. Die Vorleistungen der Altvorderen gehen bis ins Jahr 1853 zurück und brachten mit der späteren Attraktion Pfahlbauten Tourismus und Wohlstand in den Ort. So braucht es heute eigentlich keine Tourist Information, die unsinnige Drucksachen in Auftrag gibt, Kaffeekränzchen veranstaltet, Lenkungsgruppen initiiert und die Zimmervermittlung an ein Internetportal vergibt, während die Attraktivität der gesamten Gemeinde im Rahmen leistungsstarker Pressearbeit vom Pfahlbaumuseum voll herausgestellt, abgebildet und in die Welt gesandt wird.

Das Kulturerbe der Gemeinde sind nicht unbequeme Sitz- und Liegedecks an der Ostmole, die besonders von älteren Menschen nicht genutzt werden können. Die zukünftige Entwicklung fordert, dass Baulücken an die Umgebung angepasst und geschlossen werden, eine Grünflächenplanung mit zahlreichen Schattenspendern sowie Duft- oder Themengärten Vorrang bekommt. Das Gesamtbild ist wichtig, nicht wenige Ziele die den Ort nur für einen Tagesausflug interessant machen.
Inzwischen erinnern mich Ortsteile wie die Bergstraße oder der Waldweg, an die brasilianischen Favelas. Einem Flickenteppich, deren Gebäude den Anschein erwecken, dass sie aus Architekturzeitschriften und Werbeprospekten kopiert wurden, nach dem Motto passt schon.

Ältere Menschen brauchen Möglichkeiten der Erinnerung. Erlebnisräume die sie herzlich aufnehmen, eine Möglichkeit bieten Menschen aus ihrer Mitte zu treffen. Wenn Gaststätten geschlossen sind, Einkäufe oder Medien ausleihen nicht mehr möglich ist oder die Rente nicht reicht. Sie brauchen einen Ort um Lebenserfahrung an Einheimische oder touristische Gäste weiter geben zu können. Besonders in der Ortsmitte Unteruhldingens, einem Ort der sonst in der Winterstarre versinkt. An einem Standort der diese Begegnungen möglich macht. Bürgermeister und Gemeinderäte sollten dieser Bitte nach einem Treffpunkt die Unterstützung, auch aus dem Aspekt der Gleichbehandlung, nicht länger verweigern.

 

 

 

 








 


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