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"Öffnen sie dieses Tor, Herr Verkehrsminister"!

Warum ist das Mauracher Tor für Fußgänger und Radfahrer geschlossen?

 

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Gastgeber Uhldingen-Mühlhofen e.V :
"Öffnen sie dieses Tor, Herr Verkehrsminister"!

Peter Groß (PeG) 16. Juli 2018

Wenn Menschen auf ein Hindernis stoßen rütteln sie im übertragenen Sinn auch mal an Zäunen. Kürzlich wurde in einer Bürgerfragestunde angeregt, das Tor des Mauracher Schloss zu öffnen, damit Radfahrer diese Engstelle am Seeufer einfach und sicher passieren können. Genau durch dieses Schloss, das von der Landesbank verwaltet wird und sich im Eigentum des Zisterzienser Ordens befindet, könnten Radfahrer ihres Weges ziehen und Fußgänger flanieren.

Der Uhldinger Bürgermeister Edgar Lamm versprach eine Öffnung des Schlosses zu prüfen, meldete aber sogleich Bedenken an, weil die Geschäftsführung des Schlosses darum gebeten hatte, dafür zu sorgen, dass der Radweg aus dem Bereich des Schlosses herausgelegt werde. Die Geschäftsführung verlangte nach einer alternativen Strecke für den Radweg zu suchen. Dafür wollten der Bürgermeister und sein Gemeinderat mit Unterstützung der Überlinger Verwaltung einen neuen Radweg zwischen einem beschrankten Bahnübergang beim Schloss Maurach und der Gemarkungsgrenze Nußdorf ausbauen und asphaltieren. Nur gibt es, gerade in dem Abschnitt unbeschrankter Bahnübergang und Nussdorf zahlreiche Biotope und das Umweltamt im Landratsamt befürchtete ein umfangreiches Artensterben auf dem glutheißen Asphalt. Gerade wieder in diesen Tagen nähern sich Hitze und Trockenheit neuen Höhepunkten.

Der berechtigte Einwand aus dem Umweltamt zeigte ein bisher wenig beachtetes Problem auf, dass nämlich das Trassenkonzept RadNetzBW die Belange des Umweltschutzes überhaupt nicht berücksichtigt. Um die Machbarkeit abzuschätzen hatte man das Gutachten eines Ökologen eingeholt, es beschreibt das mögliche Vorhandensein von seltenen Amphibien, rechts und links der Trasse nahe Nussdorf und die Bahn hat Maßnahmen als Bedingung vorgegeben. Eine Abtrennung zu den Gleisen durch einen Zaun (700 m Länge) und eine eigenständige Entwässerung.

Fazit war, dass das Umweltamt zur Beurteilung, ob eine Genehmigung in Aussicht gestellt werden kann zurecht weitere Unterlagen forderte, deren Kosten sowie mögliche Ausgleichsmaßnahmen die Gemeinde komplett selbst zu tragen hätte.
Aus dem Rathaus war zu hören, dass die Baukosten von rund 220.000 EUR sich um mindestens 100.000 EUR erhöhen würden und Sondermaßnahmen momentan nicht kalkuliert werden könnten. Das Vorhaben wurde aufgegeben.
Manfred Maier erntete zunächst spöttische Blicke und Unverständnis seitens des Gemeinderats aber die Aussage von Bürgermeister Lamm, man wolle eine Öffnung des Schlosses für den Rad und Fußgängerverkehr prüfen, könnte geringsten Hoffnungen Nahrung geben. Vernünftig und ein Zeichen für eine demokratische Entwicklung der Republik wäre die Öffnung jedenfalls. Es handelt sich bei dem Gebäudekomplex direkt am Ufer des Bodensees nicht um eine Adelsresidenz, sondern um ehemalige Wirtschaftsgebäude des Kloster Salem. Viele Äbte zogen Maurach als Sommerresidenz dem im Hinterland gelegenen Salem vor. Nach der baulichen Modernisierung und Erweiterung versteht sich die Landeskreditbank heute als Gastgeber und ist bemüht die Räumlichkeiten für Tagungen zu vermieten, wobei ein Tagungshotel der Besinnung und Begegnung dienen soll. Der Komplex fiel durch die Säkularisation des Klosters 1804 an die Markgrafschaft Baden und wurde 1919 an die Zisterzienser der Bregenzer Territorialabtei Wettingen-Mehrerau zusammen mit der Wallfahrtskirche Birnau verkauft.

Aus Sicht der weltlichen, demokratischen Entwicklung Deutschlands gäbe es schon gewisse Hoffnungen für eine Öffnung des Fuß- und Radweges. Man erinnere sich an Ronald Reagans Berlin-Rede im Jahr 1987 und den berühmten, historischen Satz: "Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer ein!" Später hat Gorbatschow mit den Worten gewarnt: "Ich glaube, Gefahren warten nur auf jene, die nicht auf das Leben reagieren", aber so streng wollen wir das Originalzitat nicht verstehen und freuen uns immer noch über den Satz, der viele Bekleidungsstücke ziert und bei zahllosen Anlässen zitiert wird:"Wer zu spät kommt, den bestraft das Leben."

Von Gerhard Schröder blieb ein Satz in Erinnerung: "Ich will da rein." Seit er denn drin war, im Amt des Bundeskanzlers, berichtete er stolz:" Wir kamen von der `Provinz´ einer Kneipe gegenüber dem Kanzleramt, waren jung und die Sache mit dem Zaun des Kanzleramts war mehr ein Spaß. Damit hatte der damals 38jährige Gerhard Schröder den heutigen SPD-Mitgliedern einiges Voraus, er suchte eine politische Zukunft, während Kreis- oder Gemeinderäte nahezu allem Schwachsinn zustimmen, nur um früh an den heimatlichen Herd zurückkehren zu können.

Die Gemeinderäte von Langenargen bis Bodman-Ludwigshafen sollten schnell mit dem Handeln beginnen, weil der Kreis erheblich vom Radtourismus profitiert, wobei gute Radwege das Interesse bei Berufspendlern steigen lassen, wenn sie auch für die höheren Geschwindigkeiten von Pedelecs ausgelegt sind.

Im Stuttgarter Verkehrsministerium sollte so schnell als möglich die Erkenntnis reifen, dass Verkehrs- und Umweltbelastungen nicht nur der Landeshauptstadt zusetzen, sondern auch dem Bodenseekreis an dessen Ufer sich zahllose Zweit- und Ferienwohnungen nicht nur von Baden-Württembergischen Landesbeamten befinden. Auch für deren Interessen könnte der Verkehrsminister einmal an der Pforte der Landesbank läuten, bevor das Überlinger Mitglied des Bundestages, Alice Weidel (AfD), ihre verlorene Reputation mit einem Kreisthema aufhübschen kann. Ihren Glorienschein hat sie aufgrund des Desinteresses an der Kreispolitik eingebüßt und für die AfD stehen wichtige Bürgermeister- und Gemeinderatswahlen an.
So kommt es, dass sie sich vermehrt um Kommunalpolitik kümmert, etwa mit einer Rede am 18. Juli im Radolfzeller Innovationszentrum (RIZ). Eine kreisweite AfD – Dominanz ist für die europäisch und international aufgestellte Tourismusregion ein zusätzlicher Standortnachteil.

Den Kreis- und Gemeinderäten sei dringend geraten sich für die wesentlichen Belange der Einheimischen einzusetzen, das alte Radfahrerprinzip für Behörden, Bürgermeister und Gemeinderäte: "Nach oben buckeln und nach unten treten", wird heute nicht mehr honoriert. Das werden die kommenden Gemeinderats-, Kreistag - und Bürgermeisterwahlen im Kreis zeigen. Das Wahlrecht hat mit dem Erbrecht wenig zu tun. Und so wird verständlich, dass man eine ganze Reihe von Kommunalpolitikern lieber in bürgerlichen Begegnungsstätten wie der Alten Schule / Rathaus in Unteruhldingen oder Nussdorf sehen würde. Nicht nur dass solche Immobilien den Aufenthaltswert in der Gemeinde auch für Gäste steigern, es sind Orte, wo man ein für die Gemeinde ungefährliches Schläfchen in angenehmer Umgebung machen kann. Wenn man die Häuser denn im Gemeindebesitz behält.

 

 

 

 








 


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