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Bodenseekreis: Die Kaufsucht war ein Schrei nach Liebe

 

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Bodenseekreis: Die Kaufsucht war ein Schrei nach Liebe
Peter Groß (PeG) 12. Juli 2018


Die Schwäbische Zeitung hätte einen Beitrag über die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) im Blatt. Das erfuhr ich aus einer e-Mail Nachricht. Aber meine Reaktion, die früher einem Pawlow´schen Reflex ähnelte und damit Neugier, Unruhe und vielleicht einen verstärkten Anreiz zum Kauf der Zeitung ausgelöst hätte, blieb aus. Was sollte es in dieser Zeitung zum Thema neues geben als Lobhudelei und distanzlose Berichterstattung ? Selbst ein kritischer Leserbrief war nicht vorstellbar.

Pawlow hatte im Verlauf seiner mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Experimente zum Zusammenhang von Speichelfluss und Verdauung beobachtet, dass bei Zwingerhunden schon die Schritte des Besitzers Speichelfluss auslösten, obwohl noch gar kein Futter in Sicht war (Wikipedia). Man könnte es es vielleicht heute auf die Schritte des Zustellers, den Wunsch nach fetten Neuigkeiten auf knisterndem Papier und dem Duft nach Druckfarben übertragen.

Ich meine, es war ja nichts neues, dass das Schwäbische Landrats-Fanmagazin (so etwas wie die Bravo für unmusikalische Politiker*innen) bei Bürgermeistern, TI - Expertinnen und Parteimitgliedern aller Fraktionen im Stande war, den vorher beschriebenen Effekt auszulösen. Ein Zeitungskauf rettet übrigens nicht die Pressefreiheit, das ist eine Fake - Nachricht übelster Sorte. Aus rein nostalgischen Gründen kaufe ich mich immer noch durch das übergroße Angebot der Zeitungen und Zeitschriften, so war heute "aktuell für die Frau" an der Reihe, mit 1,50 deutlich farbiger und billiger. Auf der Seite 62 fand ich in dem Beitrag: "Meine Kaufsucht war ein Schrei nach Liebe" endlich eine Erklärung für das Bodensee – Desaster.

Nach einer Untersuchung der Universität Hohenheim sind neun Prozent der Deutschen davon betroffen, am häufigsten Frauen. Besonders groß scheint dieser Kaufreflex in Ministerien und Behörden zu sein, die auch nur im Entferntesten mit Tourismus zu tun haben. Da stapeln sich Expertisen, Gutachten, Arbeitspapiere und Tätigkeitsberichte, deren Inhalt ewig gleichlautend ist: " Die Gästeankünfte und Übernachtungen steigen", obwohl man sich fragen muss, wie so viele unbezahlte Überstunden und Ehrenämter eine so hohe Zahl Reisender zulassen. Aber egal. Frust kauf oder Kaufsucht? Was treibt unseren Bürgermeister Edgar Lamm dazu, ständig Grundeigentum der Einheimischen zu verkaufen, nur um anschließend tiefe, leere Baugruben und leerstehende Weltkulturerbe Häuser zu hinterlassen? Warum streitet Bürgermeister Achim Krafft für das Recht der Teilhabe an der EBC und holt sich damit ein überteuertes Produkt in den Ort, das niemand braucht?
Ein Produkt, das mit der Marketing Community Bodensee (MCB) wieder eine neue, teure Veranstaltung produziert hat, nur um einen Beitrag im Südkurier zu platzieren: "Das sagen die Touristen zur EBC." Da trafen sich TI – Mitarbeiterinnen, Marketing Leute und wenige Touristen zu einem Vortrag in der Futterkammer eines Bauernhofes, saßen auf Strohballen, "während erstaunte Tauben mit ihrem Gurren einen passenden Background erzeugten." (SK). Anwesende Kinder nörgelten, weil nicht einmal Ziegen herumliefen, die man streicheln konnte.

Der Präsident der MCB sollte Klarheit über die Marktforschung bei der "heiß" diskutierten EBC schaffen. Ein Thema das anwesende Marketing Leute und Touristikerinnen aus dem einzigen Grund interessierte, eine Antwort auf die Frage zu erhalten, wie es dem Marktforscher Thomas Dobbelstein gelang, für so wenig Arbeitseinsatz eine so hohe Vergütung zu erzielen. In zwei höchst zweifelhaften Umfragen wurde einst versucht einen Grund für die Einführung der, Datenkrake genannten, Echt Bodensee Card zu liefern und damit den Shopping - Boys aus vier Ämtern die Finanzierung oder den Kauf der viele Millionen teuren Gästekarte zu ermöglichen. Die erste unterliegt, so weit ich weiß, immer noch dem Geheimschutz.

"In schlimmen Fällen verlieren Kaufsüchtige im Laufe der Zeit die Kontrolle über ihr Leben – und über ihre Finanzen." Die Folgen kennen wir aus Griechenland, dem Land, dem der Räumungsverkauf statt 50 Milliarden für die Jahre 2011 bis 2017 nur 5,1 Milliarden Euro brachte. Nach Flug- und Seehäfen erreichte der Ausverkauf bald die Eigentümer von Hotelanlagen, kleinen Pensionen und Eigentumswohnungen, die wegen der hohen steuerlichen Abgabenlast ihr sicher geglaubtes Betongold hergeben mussten und heute auf der Straße oder auf den Strandpromenaden leben.

Ähnliches geschah in Spanien wo am 8. März 2018 (Internationaler Frauentag) mehr als 6 Millionen Frauen bessere Arbeitsbedingungen, eine soziale Zukunft und ein Wohnrecht in ihren vormals eigenen, fast bezahlten Eigentumswohnungen forderten. Sie konnten wegen Arbeitslosigkeit die Restkaufsumme (häufig unter 10% nicht aufbringen). Heute gehören die Immobilien, Oligarchen oder Investoren, stehen leer und brachten allein in der Touristen Hochburg Madrid eine Million Frauen auf die Straße, deren Forderung lautete gebt uns unser Eigentum zurück. Fast keine deutsche Zeitung berichtete.

Nach der GEIOS – Pleite und dem Scheitern der EBC im Bodenseekreis (keiner will sie wirklich), zieht die Deutsche Bodensee Tourismus GmbH sich auf ein neues Geschäftsfeld zurück und tingelt mit einer "Markentournee Echt Bodensee" durch die Provinz. Seminare und Workshops sollen angeboten werden. Das gab es schon einmal. Mit der als Innovation bezeichneten EBC – Gästekarte, die nach über 100 Veranstaltungen heute samt technischer Gerätschaften im Schwarzwald verrottet oder die als Papierticket den Gästen in Langenargen, Eriskirch, Sipplingen und Bodman-Ludwigshafen verweigert wird. Ihnen wurde eine höhere Kurtaxe abgepresst, eine Leistung die Karte nutzen zu können erfolgt erst mit Zustimmung zu dem Zusatzgeschäft, der Nutzung persönlicher Daten zu Werbe- und Marketingzwecken. Das ist als Kopplungsgeschäft nach dem neuen Datenschutzrecht zwar verboten wird aber immer noch durch die TI´s z.B. Langenargen geduldet und unterstützt. Das Ergebnis ist, dass Vermietungen stark zurück gegangen sind und aktuelle Auskünfte zu Buchungen verweigert werden.

Der Preis für die Fehlinvestition DBT durch Politiker aller Parteien beginnend mit Bündnis 90/Grüne bis SPD liegt inzwischen bei deutlich über 3 Millionen Euro und soll durch die neue Schnapsidee einer "Markentournee" eine weitere, deutliche Kostensteigerung erfahren. Wenn die Touristikerin Maria Wirth aus Markdorf sich als Pflegehilfe der DBT anbiedert, möchten ich sie daran erinnern, dass sie von den Gastgebern und Vermietern für die Zimmervermittlung bezahlt wird und nicht für´s herum tingeln mit Schönschwätzern.

 

 

 

 








 


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