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Unteruhldingen: Ein Ort an dem man lebt und nicht nur wohnt ?

 

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Unteruhldingen: Ein Ort an dem man lebt und nicht nur wohnt ?

Peter Groß (PeG) 03.07.2018

Der Bürgermeisterin von Daisendorf, Jaqueline Alberti, ist die Zukunft des Ortes wichtig. Den dörflichen Charakter erhalten, die Zukunft des Zusammenlebens, des Bauens oder die Auswirkungen neuer Technologien. In Uhldingen - Mühlhofen Sipplingen, Langenargen sind Einwohner am Werk, ihre Gemeinde wieder als Lebensmittelpunkt zu gestalten. Als einen Ort, in dem man lebt und nicht nur wohnt. Den es zu schützen gilt. Vor dem Wildwuchs an Ferien-, Zweitwohnungen und Sichtschutzwänden. Während in Daisendorf ein neues Leitbild entwickelt wird, stimmte der Gemeinderat in Uhldingen-Mühlhofen der Errichtung einer neuen Sichtschutzwand im Ortsteil Unteruhldingen zu. Der Bauherr baut eine Wand. Höhe 2,76 Meter, mit einer Länge von neun Meter und einen Sichtschutz von 1,80 Meter.
Städter schwärmen von Abgeschiedenheit und Ruhe. Da wohnt vielleicht wieder jemand der nicht vom Alarmruf der Freiwilligen Feuerwehr zur Nothilfe gerufen werden will, dem Nachbarn eher lästig sind, der am Wochenende "Runterkommen" will beim "digital detox", dem Verzicht von Smartphone und Handtaschencomputer.

Für das Leben auf dem Land sprachen einst Fürsorgepflicht und Angst um die Sicherheit der Kinder. Wenn Kinder sich heute in einen stickigen, überfüllten Bus oder eine Bahn quetschen müssen, der Weg von der Schule nicht mehr an einem Bäckerladen oder Kiosk vorbeiführt mit Fruchtgummischnüren, Center Shock Scary Mix oder Hidden Apple, wenn deren Frühstück wegen der morgendlichen Hetze ( aus dem Haus um 6 Uhr 15 ) immer auf dem Tisch zurück bleibt und die nächste Gelegenheit für ein Pausenbrot bis 9 Uhr 30 ewiges Warten bedeutet. Wenn der Schultag zu oft am Nachmittag endet und es entgegen den Versprechungen von Schulleitungen und Politikern in maroden Schulen keine ruhigen Räume gibt, für Hausaufgaben oder eine Möglichkeit für sportliche Aktivitäten, dann ist das "auf dem Land" und mit Erinnerungen an stille Nachmittage verbunden, an denen man beleidigt im Zimmer hockte weil Eltern keine Zeit hatten mit dem Mama-Taxi zu einer Freundin zu fahren oder an die langen, einsamen Heimwege, oft entlang der Bundesstraße, an Garagen oder Sichtschutzwänden vorbei - bei jedem Wetter.

Was heute die Lernfabrik Schule ist, sieht der Lehrerverband in Gefahr. Wer soll den verbindlichen Unterricht am Nachmittag sicherstellen. Der massivste Mangel trifft in naher Zukunft Grund-, Förder- und Berufsschulen.
Als solches sehen wir gute Zukunftschancen für ein neues Modell der Bildungsanstalt Alte Schule vor Ort.
Eltern kennen den Umfang des Unterrichtsausfalls, der plötzlichen Freistunden und das regelmäßige vorzeitige Heimkommen der Kinder. Dann ist das individuelle Organisationstalent gefragt, kurzfristig Bekannte zu finden, die mal eben das Kind beaufsichtigen. Auch dafür wäre die Alte Schule ein Anlaufpunkt. Mit Kinderpaten die zuverlässig, gemeinschaftlich, die Aufsicht am späten Nachmittag übernehmen. Bastelangebote, gemeinsames Singen oder Spielnachmittage offerieren, auch mal einfach spannende, alte Geschichten erzählen. Oder wie im Markdorfer Hexenturm die Neugier auf alte Handwerkskunst wecken.

Darin sehe ich den Ansatzpunkt für eine neue Nutzung der Alten Schule als Treffpunkt in der Nachbarschaft. Sie bietet die Möglichkeit des Zusammentreffens mit touristischen Gästen und deren Kindern, wie auch den Raum für Begegnungen mit langjährigen Gästen, von denen es viele gibt, die solche Zusammenkünfte im familiären Rahmen (in den Nachmittags – oder Abendstunden) als Ergänzung des touristischen Angebots begrüßen und die eine oder weitere Nächte im Ort bleiben – weil man hier einmal auf Probe einmal "Mitleben" kann.

Wer hier bleiben will oder sogar einen neuen Lebensmittelpunkt sucht, möchte nicht gemeinhin als Abgehängt gelten. Sonst reicht es gerade für eine Zweit- oder Ferienwohnung. Wohlmeinende Schlagzeilen entpuppen sich schnell als Fake. Die Metropolen wachsen immer noch, ohne Zuzug in die Städte funktioniert deren Ökonomie nicht.

Und wenn in Deutschland junge Familien oder pflegebedürftige Rentner grüne Umgebungen bevorzugen – sei es aus Armut, des Luxus oder der ökologischen Begeisterung wegen. Es bleibt dabei, gerade die Jungen, tatendurstigen und Gebildeten verlassen die Provinz. Sie sammeln sich in Schwarmstädten, die man auch als Regiopole bezeichnen kann. Freiburg, Konstanz oder stark wachsend Singen. Was seitens der Universitäten und Fachhochschulen festgestellt wird ist, dass die jungen Menschen dorthin gehen, zur Ausbildung, und dass sie dann nicht zurückgehen aufs Land oder die Kleinstadt, wobei wir Kleinstadt (z.B. Überlingen) oft zum Land rechnen oder als größeres Dorf wahrnehmen.

Dazu kommt, dass die neuen Häuser aus der Billigproduktion von Fertighaus-Herstellern stammen. Sozusagen der "Plattenbau" im Miniaturformat. Geliefert auf einem Tieflader und aufgestellt in wenigen Tagen mit kompletter Innenausstattung. So entsteht ein architektonisches Sammelsurium vieler Komponenten vom Bauhaus-Style bis völlig Geschmacklos. Am Beispiel Ostmole zeigen sich alle Mängel einer Landschaftsplanung, die niemand ernsthaft als naturnah bezeichnen kann. Ein Areal Mitleidlos ohne ausreichenden Sonnenschutz entworfen. Bei den Sitzbänken ist eine Reinigung unter der Bank unmöglich, so scheint es.

Die Pfahlbauten prägen den Ort (besonders aus touristischer Sicht) und bevor irgendwelche Gestaltungselemente aus Wien an der Uferpromenade kopiert werden, wäre die Umsetzung einer harmonische Entwicklung des Natur und Kulturerbe wichtig, etwa in Absprache mit der Heinz Sielmann Stiftung oder dem Pfahlbaumuseum.

Fehlt es dem Gemeinderat an Phantasie und Mut zur Zukunft? Der Bürgermeister unterwirft sich einem mitleidlosen Baurecht. Er leistet sich einen prachtvollen Paradeplatz, der keine Besucher findet. Dort wurden auf dem Parkplatz Bäume gepflanzt, die andernorts Wanderern und Radlern Schatten und Kühlung spenden sollten. Der Gemeinderat
sieht keinen Grund vergangene Bau- und Finanzsünden als Lehrstück zu begreifen, so scheint es. Dem Welterbebau folgt die nächste Fehlleistung in Unteruhldingen. Planungskosten eine viertel Million Euro für das Architekturbüro, so hört man und fürchtet Böses aus dem Rathaus. Wegen der Uferpromenade bleibt kein Cent für die anderen andere Ortsteile.

 

 

 

 








 


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