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Herr Bürgermeister Lamm: Verkaufen Sie das Welterbe-Haus!

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Herr Bürgermeister Lamm: Verkaufen Sie das Welterbe-Haus!

Peter Groß (PeG) 15.06.2018

Bürgermeister Lamm erklärte, kürzlich auf der Gemeinderatsversammlung, dass die Alte Schule/Rathaus wegen eines Hinweises der Kreisverwaltung mit Hinweis auf einen Haushaltserlass verkauft werden soll, "um die zukünftigen Pflichtaufgaben der Gemeinde erfüllen zu können". Dazu gehört auch die Finanzierung der neuen TI, der Welterbesaal". Ich meine, das Welterbe-Haus verursacht zu hohe Folgekosten, die einen schnellen Verkauf des Welterbe-Hauses nahelegen. Vermutlich wird der Ertrag der Alten Schule gerade so ausfallen, dass erforderliche Nachbesserungen für den Welterbe-Bau finanziert werden können.

Wie bekannt wurde transpirieren die Damen der Tourist Information (TI) und rufen nach ersten Sonnenschutzmaßnahmen, denen eine Hochleistungsklimaanlage folgen wird, weil die Glastüren sich ständig selbst öffnen und überdurchschnittlich viel heiße Luft in den Raum gelangt. Wie teuer sind wohl Einbau und Betrieb der neuen klimatechnischen Anlage, der Energieverbrauch und die Wartung, wenn schon die Bewirtschaftungskosten, insbesondere die Reinigungskosten für den
TI - Teil und ein öffentliches WC 45.700 Tsd. Euro ausmachen. Holla, das ist ja mehr als die Mieteinkünfte von der TI (24.000 Tsd. Euro). Ach du armer Steuerzahler.

Herr Lamm, wie ist es zu verstehen, dass die kaufmännische Betriebsführung nicht aus dem Etat der TI bezahlt wird, sondern aus dem Etat der Finanzverwaltung bzw. vom Hauptamt und die technische Stelle vom Gemeindebauamt finanziert wird? Die Kosten der TI sind deutlich zu hoch im Vergleich mit der erbrachten Leistung.

Im Zusammenhang mit der Deutsche Bodensee Tourismus GmbH (DBT) dürften der selbsternannten Dachorganisation (DBT) wesentliche Aufgaben, besonders im IT-Bereich zufallen. Die DBT würde bei betriebswirtschaftlich sinnvoller Konzeption den Betrieb mindestens der Hälfte aller TI´s im Bodenseekreis überflüssig machen.

Die Prospektverteilung und einfache Auskunftserteilung vor Ort könnte günstiger durch Handelsgeschäfte - und Gasthäuser erfolgen, die bessere Öffnungszeiten bieten und Mehreinnahmen durch mehr Umsatz gut gebrauchen können. Zudem sind dort in der Regel Einheimische beschäftigt. Im Südkurier schrieb Holger Kleinstück: "Um die Gäste vom Angebot in der Gemeinde und der Region zu begeistern, finden für die Mitarbeiter der Tourist Information (…) regelmäßig Fortbildungen statt." Gastgeber und Einheimische kennen ihre Heimat allerdings oft besser als jeder TI - Mitarbeiter. Der zeitaufwändige, finanziell hohe Aufwand für Fortbildungen wäre entbehrlich. Die Kundenbindung für Gastgeber ein Vorteil.
Gemeineigentum, Selbstorganisation und Solidarität sind Werte, die fest verankert sind in der Gemeinde. Diese Werte sind so ewig, dass ich an ein bestes Ergebnis bei der Umsetzung einer ungewohnten Idee auch in Uhldingen-Mühlhofen glaube. In vielen Jahrzehnten ist in Deutschland eine Netzwerkstruktur von hunderten Haus- und Wohnprojekten entstanden, die es auch finanzschwachen Gruppen ermöglicht, sich bezahlbare Wohn- und Arbeitsstätten auf Dauer zu sichern. Drei Dinge braucht der Mensch dazu: Einen Hausverein – eine GmbH und einen neutralen Gesellschafter mit Vetorecht bei Hausverkauf, Satzungsänderungen und Ergebnisverwendung, damit das Haus nicht in falsche Hände gerät oder sonst wie gegen
Bürger- und Gemeindeinteressen verramscht werden kann.

In der Vorplanungsphase ginge es darum seitens der Gemeinderäte und des Bürgermeisters ermächtigt zu werden eine unentgeltliche Inanspruchnahme von Beratungen und Workshops in Gang zu bringen und eine faire Chance beim Erhalt und Ausbau der Alten Schule zu bekommen.

Nach ersten Vorstellungen gehe ich davon aus, dass es möglich wäre etwa 50 bis 80 jungen, auch alten Menschen einen Wohn-, Arbeits-, Studien-, Fortbildungs-, Werkstatt und Lebensraum bieten zu können, der den Rückzug ins Private ebenso erlaubt, wie ein geselliges Miteinander alter und junger Menschen. Touristische Gäste wären gern gesehen in der öffentlichen Gemeinschaftszone wie z.B. dem Gebäudeteil "Alte Schule". Als ein Beispiel für eine weltoffene, internationale Begegnungsstätte mit Beteiligung einer "kleinen aber feinen" Tourist – Information.

Zur Erinnerung. Noch im Mai 2016 schätzte man die Kosten der Tourist-Information mit Welterbesaal auf 2,85 Millionen Euro. Zusatzkosten von über 300.000 Tsd. Euro verursachten die Ausstattung. Möblierung des Welterbesaals (48.000 Euro) und der TI (157.000 Euro), eine damals noch nicht beschlossene Videowand (80.000 Euro) und eine Videoüberwachung (21.000 Euro). Im Wirtschaftsjahr 2016 erhielt die TI nach Presseberichten 490.000 Tsd. Euro, darunter für Marketing 54.620 Tsd. Euro, darin enthalten 9.000 Euro für die Erstellung eines Contentplanes zur Bespielung der Videowand. Inzwischen hat sich der Gemeindezuschuss für das Wirtschaftsjahr 2018 auf 640.000 Tsd. Euro erhöht und die TI soll zusätzliche 126.000 Tsd. Euro selbst erwirtschaften. Man darf auf das endgültige Betriebsergebnis gespannt sein.

Bürgermeister Lamm sprach im Zusammenhang mit dem Welterbesaal im Januar 2017 von einem "kolossalen neuen Leuchtturm als Eingang zum irdischen Paradies in Unteruhldingen". Wie wir heute wissen, gingen schon bald darauf die Lichter aus.
Diese Veranstaltungshalle ist für wirtschaftlich ausgeglichene Events zu teuer. Veranstaltungen müssten übermäßig aus dem Gemeindehaushalt subventioniert werden. Der Saal böte trotzdem nur die Atmosphäre eines Auditorium Maximum.

Das kulturelle Leben im großen, weltstädtischen Stil findet im denkmalgeschützten Gebäude der Alten Fabrik Mühlhofen statt, das bisweilen an das frühere Quartier Latin (Berlin) erinnert. Die weit über Kreis- und Ortsgrenzen bekannte Kulturbühne hat, geht es um Wohlfühlatmosphäre in historischer Umgebung, sogar den alten und jahrzehntelang beliebten Bahnhof Fischbach "abgehängt".

Kabarett, Konzerte, Kino, und Event Dinner sind Wirkstoffe die einen würdigen Rahmen benötigen. Dass die Alte Fabrik ausgerechnet mit Satire und politischem Kabarett bekannter Ensembles, wie dem Theater Distel Berlin, dem Düsseldorfer Kom(m)ödchen oder der Leipziger Pfeffermühle erfolgreich ist, liegt wohl daran dass Kommunalpolitiker den Einheimischen und ihren Gästen wenig Grund zur Freude bieten. Das größte Kulturhaus der Gemeinde hätte neben den üblichen Attraktionen übrigens einen eigenen redaktionellen Beitrag im Gästemagazin verdient. Die kulturellen Kleingeister aus TI und Rathaus haben es versäumt. Es wächst die Hoffnung auf den Verkauf des Welterbe-Haus. Es ist einfach zu teuer.

 

 

 

 








 


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